Ehemaliges Motorpool-Gelände

Motorpool_Luftbild1. Anlass/Rahmenbedingungen

Nach dem Abzug der US-Army aus Gießen stand das am östlichen Innenstadtrand gelegene Areal der Dulles-Siedlung mit den angrenzenden Teilbereichen der Pendleton Barracks sowie des ehemaligen Motorpool-Geländes zur Umstrukturierung und Integration in das städtebauliche Gefüge (Konversion) zur Verfügung. Nach der planungsrechtlichen Entwicklung einzelner Abschnitte verbleiben ca. 7,9 ha der ehemaligen Pendleton Barracks, die nun als letzter Teilbereich des Konversionsstandortes durch die Stadt entwickelt und vermarktet werden sollen.

2. Ziele

Der Standort des ehemaligen Motorpool-Geländes ist umgeben von Wohnbebauung, die durch unterschiedliche Bautypologien (Einfamilien- und Doppelhäuser sowie Mehrfamilienhäuser) und Sozialstrukturen der Bewohner (Mischung von Wohneigentum und sozialem Wohnungsbau) geprägt ist. Die günstige Lage zwischen den Naherholungsbereichen Philosophenwald, Wieseckaue und Stadtwald trägt zu einer erheblichen Steigerung der Wohn- und Freizeitqualitäten bei. Diese Standortbedingungen sowie die gute Verkehrsanbindung an die Innenstadt und das übrige Stadtgebiet qualifizieren das Plangebiet für eine Stärkung und Weiterentwicklung als Wohnstandort.

Insbesondere zur Eigentumsbildung und Begründung von Mietverhältnissen der unten genannten Zielgruppen soll ein qualitativ hochwertiges Quartier mit einer Mischung aus Einfamilienhäusern und Geschosswohnungsbau sowie den zugehörigen sozialen Infrastruktureinrichtungen (Kita bzw. Familienzentrum) entstehen. Im Gegensatz zur Schaffung eines Angebotes im mittleren und höheren Preissegment mit kleineren Wohneinheiten im Bereich der nahe gelegenen Bergkaserne ist an diesem Standort das städtische Planungsziel auf einem Großteil der Entwicklungsflächen Wohnraum für Familien und Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen (Schwellenhaushalte) zu schaffen. Auch der allgemein erkannte und im Wohnraumversorgungskonzept ermittelte Bedarf an kostengünstigem Wohnraum sowie ein Angebot zur Ansiedlung gemeinschaftlicher Wohnformen sollen berücksichtigt werden.

Weitere städtische Planungsziele sind

  • die Entwicklung eines nutzungseingeschränkten Gewerbegebietes zur Vermeidung immissionsschutzrechtlicher Konflikte,
  • die Anbindung des neuen Stadtquartiers an den bestehenden Stadtkörper durch eine möglichst flächensparende Verkehrserschließung,
  • der Ausbau eines qualitätsvollen Fuß- und Radwegenetzes zur besseren Erreichbarkeit gebietsnaher Freizeit- und Versorgungseinrichtungen (z.B. Philosophenwald, neuer Einzelhandelsstandort) sowie
  • die Entwicklung hochwertiger Grün- und Freiräume.


3. Geltungsbereich

Das Plangebiet wird begrenzt durch die Lincolnstraße im Westen, die bestehende Wohnsiedlung im Norden, den Gießener Ring (A 485) im Osten und die Hannah-Arendt-Straße im Süden. Das Plangebiet umfasst somit eine Größe von insgesamt ca. 7,9 ha.

4. Verfahren

Im Rahmen einer Testplanung wurden verschiedene städtebauliche Entwicklungskonzepte von Planungsbüros erarbeitet. Die Ergebnisse der Testplanung sind öffentlich vorgestellt worden. Dabei bestand auch Gelegenheit, Anregungen zu den einzelnen Konzeptvorschlägen einzubringen. Im Anschluss an diese informelle Beteiligung ist eine Vorzugslösung ausgewählt worden, die die Grundlage für ein Wertermittlungsverfahren im Rahmen des Grundstückskaufs durch die Stadt darstellt.

Zur planungsrechtlichen Entwicklung des Konversionsstandortes ist die Durchführung eines Bebauungsplanverfahrens notwendig. Dieses wird im Vollverfahren mit zweimaliger Beteiligung einschließlich Umweltprüfung durchgeführt. Die Öffentlichkeit sowie die Behörden werden in Kürze auch zum Planentwurf beteiligt.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den beiden städtebaulichen Planungen.

5. Ausschreibung für Bauträger und gemeinschaftliche Bauinitiativen

Ein Investorenauswahlverfahren für ein ca. 3,2 ha großes Wohngebiet wurde gestartet. Mit einem Abschluss wird im Herbst 2019 gerechnet.

Für das Baufeld der gemeinschaftlichen Wohninitiativen ist anschließend eine Ausschreibung geplant.

6. Forschungsprojekt "EnEff: Stadt FlexQuartier Gießen"

Auf der Konversionsfläche entwickelt die Universitätsstadt Gießen im Rahmen des Forschungsprojektes "EnEff: Stadt FlexQuartier Gießen" zusammen mit der THM, der Stadtwerke Gießen AG (SWG), dem Netzbetreiber Mittelhessen Netz GmbH MIT.N sowie der Smart Power GmbH & Co. KG ein energetisch hocheffizientes Neubauquartier. Hier kommen ein neuartiger Hochtemperatur-Speicher, in Kombination mit einem multifunktionalen Batteriespeicher für Strom und einem zentralen Warmwasser-Schichtenspeicher für Abwärme zum Einsatz. Mit der hocheffizienten Bauweise der Gebäude und den Photovoltaik-Anlagen auf allen Dächern wird es zu einem fast klimaneutralen bzw. weitgehend energieautarken Gebiet kommen.

Das Forschungsprojekt läuft vom 01.12.2018 bis zum 30.11.2022 und wird Modellcharakter für zukünftige Baugebiete haben.

https://www.thm.de/etem/forschung/projekte/drittmittelprojekte/laufende-projekte/flexquartier.html

Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an

Stephan Henrich
Abteilungsleiter Verbindliche Bauleitplanung und Stadterneuerung
Berliner Platz 1
35390 Gießen
Telefon:
0641 306-2331

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0641 306-2352

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